Echos der Vergangenheit

Alexandra Schmidt

Die Betonys - Edos Erbe

Luxuria - Verhängnisvolles Begehren (Der Familienchroniken vierter Teil)

Sie würde es niemals zugeben, dass sie sich davor fürchtet, zu versagen.

Das geht uns allen so, sobald wir diesen Punkt im Leben erreichen; dabei ist es so natürlich und überhaupt auch noch das schönste und höchste Ziel in diesem Leben, will ich meinen ...

Ein ganz neuer Herzschlag auf diesem Planeten.

Aber da ist noch etwas ganz anderes, das sie quält. Ich kenne sie doch und will diese Last so gern mit ihr teilen, ihr diesen drückenden Kummer vom Herzen trennen, damit sie endlich wieder lachen kann, wie sie es früher getan hat. Wovor fürchtet sie sich wirklich?

Ganz gleich, was es ist, ich werde da sein; so wie ich es immer war - und damit höre ich auch heute nicht auf!

Sie wird mich mehr brauchen denn je; ich habe es im Gefühl ...

Gunnar Hederich auf dem Jahrmarkt bei Steinlind

© by Alexandra Schmidt 2019

 

 


Die Betonys - Edos Refugium

Superbia - Erbe des Hochmuts (Der Familienchroniken dritter Teil)

Es ist schon sonderbar, wie sich die Dinge entwickeln können.

Und das binnen kürzester Zeit.

Ich verlor meinen Bruder, als sei er mir aus dem Fleisch geschnitten worden. Und dann gewann ich ein neuen; nur, um ihn im selben Moment wieder zu verlieren.

Und dann ist da sein Kind - diese merkwürdige junge Frau, die fast meine Schwester sein könnte ...

Aber was kann man schon tun, die Vergangenheit bleibt unveränderlich und es ist besser, man findet sich damit ab. Doch es könnte heute alles anders sein, wenn er es uns nur vor langer Zeit schon gestanden hätte. Eine Vielzahl an Leben wurde durch diese eine Entscheidung verwirrt...

Doch ich kann ihm nicht lange böse sein! Das konnte ich noch nie. Er hat ja nur noch mich. Das muss sie einsehen, ob es uns nun gefällt oder nicht.

Wir sind an jene gebunden, die wir lieben. Es ist eine reine, selbstlose Liebe ...

Als er es mir gestand, wusste ich noch längst nicht, welche Lawine er damit loslöste. Und diese wälzt sich nun aus den Kieseln der Vergangenheit hinein in eine steinige Zukunft.

Nun stehen wir beide hier inmitten dieser grenzenlosen Weite und spüren, dass Schuld nicht vererbbar ist; solange man sich entschließt, sie nicht zu wiederholen.

Ich will ihr doch gar nicht wehtun. Aber ich muss. Wenn er es so will ...

René Audorn in Zaucken bei Faldron

© by Alexandra Schmidt 2019

 


Die Betonys - Edos List

Gula - Gierige Flammen (Der Familienchroniken zweiter Teil)

Verrat! Jawohl!

Heuchler! Lügner!

Verraten hast Du uns, als wir Dich am meisten brauchten! Und was tust Du nun? Du opferst die Eine, die Du geschworen hast, zu beschützen! Er dreht sich im Grabe um, der, dem Du dieses Versprechen einst gabst - Du weißt das ...

Aber ich ... Oh, warum habe ich sie nur allein fahren lassen? Wäre ich mit ihr gegangen, hätte ich es ihr vielleicht ersparen können!

Saubande, elende! Ich weiß schon, wie man mit solchen Leuten verfahren muss! Doch was nützt es? Nun, da ich die Hitze auf meinem Gesicht spüre, sie dort untergehen sehe; ohnmächtig und handlungsunfähig dabeistehend ...

Ich habe ihr niemals gesagt, wie wichtig sie für mich ist.

Das alles ist es nicht wert gewesen, Du, die Du vor meinen Augen eins wirst mit dem gierigen Element ... Und dennoch ... Dies kann doch nicht das Ende sein?!

Ich muss es Dir doch noch sagen! Ich werde es Dir sagen!

Tewes Hederich zu Robinie bei Schotendorn

  © by Alexandra Schmidt 2018

 


Die Betonys - Edos Vermächtmis

Ira - Zorn des Taaffeits (Der Familienchroniken erster Teil)

Hier beginnt es also.

Auf den trügerischen Wellen des Steinlinder Stausees.

Wie sehr ich ihn doch vermisst habe.

Mein Leben ist gar nicht so übel, wisst ihr? Zwar wurde ich sehr früh zur Vollwaisen, als ich meine Eltern auf tragische Weise verlor - aber alles, was danach kam, war eigentlich gar nicht so schlecht.

Ich wuchs in der liebevollen Familie meiner Tante auf und wurde eine selbstständige Frau, die weiß, was sie will.

Aber jetzt will ich nur noch eines: den Mann wiederfinden, mit dem ich meine Kindheit teilte und dem ich noch mehr als nur eine Entschuldigung schuldig bin. Mein Cousin Tewes, den ich wie einen Bruder liebe.

Wenn du noch lebst, Bruder, dann halte durch! Ich werde dich finden!

Ganz bestimmt ...

 

Und so beginnt sie also, meine Reise in die Vergangenheit.

Als Tewes verschwand, wusste ich noch längst nicht, dass dies erst der Anfang sein würde.

Der Anfang meines Schmerzes ... Denn nicht ich bin es, die jemanden finden soll.

Ich bin diejenige, die gefunden wird ...

 

Mein Name ist Edda Betony.

Und ich bin das Vermächtnis meines Vaters.

© by Alexandra Schmidt 2018